3/28/2017

GUILTY PLEASURE: MARTIKA

Im Jahr 1991 erschien "Love... thy will be done" von Martika und der Song fasziniert bis heute durch seine Backline und seine ungewöhnliche meditative Rhythmik: Kein Wunder, geschrieben wurde er von niemand Geringerem als Prince und er verwendete dafür ein Sample des Liedes "Fifty-Fifty Clown" der Shoegaze-Helden COCTEAU TWINS, das in den Hintergrund geschickt eingewoben ist. Leitmotiv des Songs ist der gebetsmühlenartig wiederholte Titel, der nicht einen Gott preist, sondern ein ewiges Gefühl - "Liebe, dein Wille geschehe". All die Aspekte machen den Hit, gesungen von Martika, die die Anfangslyrics ursprünglich tatsächlich als Gebet aufnotierte, zu einer kleinen Hymne. Prince fügte später noch eigene Textzeilen hinzu und schickte ihr den fertigen Song auf Kassette - wie romantisch eigentlich. "Love... thy will be done" war dennoch nicht Martikas größter Hit, sondern das melodramatische "Toy Soldiers" - ein Lied über die Kokainsucht eines Freundes. Und zum Thema Samples: Eminem sampelte diesen Song in seinem Track "Like Toy Soldiers". Die besondere Songstruktur und der gospelhafte Gesang in "Love... thy will be done" hat ebenfalls etwas von einem Sprechgesang und entwickelt einen unglaublichen Sog:

"Thy will love be done
Love, thy will be mine"








2/12/2017

THE GIRL WITH ALL THE GIFTS

Die Natur hat sich mit Hilfe eines Pilzes nicht nur den Städten bemächtigt, sondern auch der Menschheit: Einmal befallen, verwandelt sich jeder in ein zombieartiges, hungriges Wesen, das die Lebenden jagt und frisst. Die Überlebenden haben sich in Militärbasen zusammengeschlossen, wo Soldaten Grenzzäune errichten und Wissenschaftler versuchen, einen Impfstoff gegen die Epidemie zu finden. Dr. Caldwell, kühl gespielt von Glenn Close und eine offensichtliche Verwandte von Carol aus „The Walking Dead“, hofft das Gegenmittel in den Gehirnen von Kindern zu finden, die sich aus den Leibern ihrer infizierten Müttern gefressen haben und nun als Halb-Zombies in Gefangenschaft und Fesseln gehalten werden. Einmal am Tag werden sie zur Schule herausgelassen, wo ihnen die Lehrerin Helen Geschichten über die Grausamkeit der menschlichen Geschichte vorliest.

So wie der Vampirfilm wohl letztlich erst durch ein Kind in dem Drama „Let the right one in“ erwachsen geworden ist, so ist es nun auch mit dem Zombiegenre geschehen: Auch in „The Girl with all the Gifts“ steht ein Mädchen im Zentrum des Geschehens, das auf anrührende Weise die Brutalität seiner Existenz demonstriert. Während Eli aus „So finster die Nacht“, wie der schwedische Vampirerfolg auf Deutsch heißt, eigentlich androgyn ist und so die Entwicklung der Blutsauger im Laufe der Zeit vom blutrünstigen Monster zum eleganten Verführer spiegelt, ist Melanie aus „The Girl with all the Gifts“ ein hochbegabtes und höfliches Kind, dass manchmal sogar streberhaft und sehnsüchtig in seine Lehrerin vernarrt, nur mühsam verstecken kann, welch Grausamkeit in ihm (und eigentlich in den meisten Kindern) steckt: Anfangs hilft die Postkarte eines Kätzchens an der Wand die Einsamkeit in der Zelle zu vertreiben, später hilft ein reales Kätzchen, den quälenden Hunger zu verjagen, indem Melanie das Tier einfach auffrisst.
Beide Filme werden von der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem Menschen und einem Menschenfeind getragen: In „So finster die Nacht“ ist es ein Junge, der sich dem Vampirmädchen nähert und in „The Girl with all the Gifts“ entwickelt Lehrerin Helen eine tiefe Zuneigung zu Melanie. Beide Freundschaften sind gefährlich, denn die Instinkte zu töten lassen sich nur schwer kontrollieren. Eine Charakterschwäche, die eine starke Freundschaft auszuhalten hat, so scheinen es die „Monster-Versteher“ zu akzeptieren, eine Risiko für die Menschheit, so sehen das Frauen wie Dr. Caldwell und Carol aus der anderen großen Zombie-Erzählung „The Walking Dead“: Beide halten nichts von Sentimentalität, und schon gar nicht was Kinder betrifft. Während die Medizinerin die Kinder mit dem Skalpell tötet, bringt die Kämpferin sie einfach um, wenn die Menschheit an sich zu retten ist. In beiden Fällen wussten die Kinder, dass sie eine Gefahr für die Menschheit sind und in beiden Fällen werfen sie eine interessante Frage in den Raum – vielleicht sollte man nicht die Menschen zu retten versuchen, sondern die Anderen, also die Monster nicht in ihrer Art vernichten wollen.

„The Girl with all the Gifts“ wirft viele Fragen auf und spinnt Verweise zu Vorgängerfilmen wie „28 Days later“ und den bereits erwähnten Erzählungen „So finster die Nacht“ oder „The Walking Dead“. Der Film stellt sich philosophischen, medizinischen und emotionalen Problemstellungen ohne eine Sekunde langatmig zu sein, denn er bedient auf einer zweiten Ebene auch alle Gore- und Schockmomente, die man eben von einem Zombiefilm erwartet – und wenn ein reizendes Kind herzhaft in zwei Soldaten beißt, so hat das Ganze eine noch drastischere Wirkung als üblich. Als drastisch kann man auch das Ende des Filmes beschreiben, denn es ist eine handfeste Überraschung - ein Zombiefilm, der auch beim Zuschauer das Gehirn infiziert.

1/17/2017

GUILTY PLEASURE: ROBERT PALMER

Die Musik dieses selbstironischen, sentimentalen und stilsicheren Mannes ist gewollt cool und gewollt soulig: Genau das macht Robert Palmers Sound zu einen Guilty Pleasure par excellence. Songs wie "I didn't mean to turn you on" oder "Some like it hot" haben einen unwiderstehlichen Drive, darüber hinaus hat er zusammen mit New-Wave-Legende Gary Numan 1980 auf dem Album "Clues" seinen ganz eigenen Synthpop entwickelt. 1985 gründete er mit zwei "Duran Duran"-Mitgliedern die Band "Power Station", auf Deutsch lustigerweise Kraftwerk und der ehemalige Grafikdesigner Palmer sollte auch später mit striktem Design auffallen: In inzwischen ikonisch gewordenen Videos wie "Addicted to love" inmitten grell geschminkter und ganz in schwarz gekleideter "Musikerinnen" macht sich Palmer wie ein aus der Zeit gefallener Gentlemen aus, Feministinnen protestierten damals gegen den Clip, in dem sie Sexismus erkennen wollten. Ein Missverständnis, denn Palmer war ein im besten Sinn altmodischer Herr des Blue-Eyed-Soul, ein "Marquis der Fassade", wie er auch genannt wurde ohne Chauvinismus, dafür aber mit ziemlich viel Charme - "Simply irresistible" eben...